Die Geschichte der Hohentwiel


DIE GESCHICHTE DER HOHENTWIEL

1913

Am 11. Jänner 1913 lief die HOHENTWIEL als das letzte Dampfschiff der Königlich Württembergischen Staats-Eisenbahnen (K.W.St.E.) vom Stapel. Benannt nach der gleichnamigen, damals württembergischen Festung auf dem Vulkankegel Hohentwiel bei Singen, bediente der Halbsalondampfer ab Mai 1913 vom Heimathafen Friedrichshafen aus vor allem die Kurse im Bodensee-Längs- und Querverkehr. Weilte das württembergische Königspaar jedoch zur Sommerresidenz in Friedrichshafen, so diente das neue Dampfschiff HOHENTWIEL quasi als Yacht des Regenten. Entsprechen war die Ausstattung des Schiffes gestaltet. Das Publikum liebte sie, und bald zählte die HOHENTWIEL mit seiner eleganten Jugendstil-Einrichtung zu den prominentesten Schiffen auf dem Bodensee. Graf Zeppelin feierte auf ihr seinen 75. Geburtstag und König Wilhelm II. von Württemberg lud den König von Sachsen zur schönen Ausflugsfahrt über das Schwäbische Meer.

1933/1934

Die HOHENTWIEL wird ähnlich der bayrischen LINDAU umgebaut, um mehr Passagiere befördern zu können. Dabei verlor sie ihre elegante Inneneinrichtung, bekam dafür einen Salon auf dem Oberdeck sowie die charakteristischen seitlichen Wülste am Rumpf.

1944 - Unruhige See

Im zweiten Weltkrieg wurden nur noch wenige Schiffskurse auf dem Bodensee ab Friedrichshafen aufrechterhalten. In der Nacht des 24. April 1944 wurde Friedrichshafen, der ehemalige Heimathafen der HOHENTWIEL, bombardiert und versank in Schutt und Asche. An diesem Abend war die HOHENTWIEL gerade im Begriff in Konstanz mit Kurs auf Friedrichshafen auszulaufen, als sie durch eine Warnung zurückgehalten wurde. Das Schwesternschiff der HOHENTWIELl, die FRIEDRICHSHAFEN, wurde in dieser Nacht komplett zerstört. Am Ende des Krieges gab es nur noch ein Dampfschiff in Friedrichshafen, die HOHENTWIEL. Sie fuhr noch bis 1962 im Liniendienst und wurde dann ausgemustert, entging aber der eigentlich vorgesehenen Verschrottung, indem sie vom Bregenzer Segelclub erworben und auf eigenem Kiel nach Bregenz überführt wurde.

1984 - Aus dem Dornröschenschlaf erwacht

Nach turbulenten Jahrzenten ging sie vor Anker und diente ab 1962 dem Bregenzer Segelclub als Restaurant und Clubheim. Zu Beginn der achtziger Jahre schien das Schicksal der HOHENTWIEL endgültig besiegelt, doch im letzten Augenblick wurde sie gerettet. Im Jahr 1984 erwarb der Verein „Internationales–Bodensee-Schifffahrts-Museum e.V.“ (IBSM) den mittlerweile renovierungsbedürftigen Dampfer. Durch eine maßgebliche Finanzierungs-Zusage der „Internationalen Bodensee-Konferenz“ (IBK), großzügige Geld- und Sachspenden sowie den Einsatz zahlreicher Vereinsmitglieder und freiwilliger Helfer, gelang es dem damaligen Lindauer Landrat Klaus Henninger und dem Technischen Schiffsoffizier Reinhard E. Kloser aus Hard, die Hohentwiel wieder in ihren ursprünglichen Zustand zu versetzen. Die Marktgemeinde Hard in Vorarlberg stellte freundlicherweise einen Liegeplatz zur Verfügung.

1990 - Wie neu geboren

Modernste Technik und historische Substanz wurden vereint, jedes Detail perfekt restauriert. Nach sechs Jahren unermüdlicher Recherche- und Restaurierungsarbeit, professionell überwacht und unterstützt durch die renommierte Schiffs-Klassifikationsgesellschaft „American Bureau of Shipping“ (ABS) konnte die HOHENTWIEL am 17. Mai 1990 erneut zur Jungfernfahrt auslaufen. Die HOHENTWIEL ist das einzige Dampfschiff am Bodensee. Betrieben wird es mit seiner ursprünglichen Escher-Wyss-Dampfmaschine von 1913. Seine beiden 1988 ersetzten Kessel werden allerdings nicht mehr mit Kohle, sondern mit Heizöl gefeuert.

Heute

Wer heute mit der HOHENTWIEL ausfährt, bewegt sich in einer anderen Zeit und darf für Stunden dem Rest der Welt getrost den Rücken kehren. Mit ihren eleganten Linien verkörpert die Hohentwiel wie kaum ein anderes historisches Schiff die große funktionale und ästhetische Qualität ihrer Zeit. Beiboote, in traditioneller Technik aus Mahagoni gefertigt, blank geputzte Positionslaternen, Bronzereliefs mit dem württembergischen Wappen, die erlesene Innenausstattung - alles vermittelt die unvergleichlich vornehme Atmosphäre der Belle Époque. Man kann sich kaum einen schöneren Ort wünschen, um das Leben mit Freunden in voller Fahrt zu genießen. Die HOHENTWIEL fährt heute alljährlich von Ende April bis Mitte Oktober über den gesamten Obersee und Überlingersee des Bodensees. Sie ist quasi das Flaggschiff des gesamten Bodensee-Tourismus und hat auch bei einigen Filmen bereits eine wichtige Rolle gespielt. Weit über eine halbe Million Menschen wurden auf sinnbildlich mehr als sieben Erdumrundungen seit der Wiederinbetriebnahme als Museumsschiff über den Bodensee getragen. Man kann das Schiff chartern, man kann es ebenso auf den vielen angebotenen Eventfahrten in allen Preiskategorien und ab vielen Bodensee-Häfen genießen. Betrieben wird die HOHENTWIEL heute gemeinsam mit dem ebenso stilvoll restaurierten ersten großen Motorschiff des Bodensees, der OESTERREICH von der „Historische Schifffahrt Bodensee GmbH“ (HSB) in Hard, dem heutigen Heimathafen beider Schiffe. Die vielleicht beste Art, diese beiden Schiffsjuwele gemeinsam zu genießen ist eine Buchung der Eventfahrt „Zeitreise“: Man fährt mit dem einen Schiff los, steigt unterwegs auf das andere Schiff um und fährt mit dem anderen zurück zum Ausgangshafen. Unterwegs fahren beide Schiffe in geringem Abstand nebeneinander her, zum Bestaunen, Fotografieren und Genießen. Diese Eventfahrt wird regelmäßig ab verschiedenen Häfen angeboten. 2019 konnte die lange Zeit als verschollen geglaubte originale Schiffsglocke der HOHENTWIEL wieder an Bord installiert werden.